Über Eunice

Hi, ich heiße Eunice Nyakio. Ich bin in der Nähe von Mombasa/Kenia geboren und lebe seit ca. 30 Jahren in Deutschland. Nach meinem Schulabschluss habe ich angefangen in Mombasa als Fotojournalistin zu arbeiten und bin über ein berufliches Austauschprojekt nach Europa gekommen. In Deutschland habe ich meinen Mann kennengelernt, wir haben geheiratet - Nyakio ist mein Mädchenname - und wir haben zwei Kinder bekommen. Nach Kenia bin ich nicht mehr zurück, auch nicht, als meine Ehe nach 14 Jahren endete.

Ich habe immer frei sein wollen. Frei und unabhängig.

Eine Kindheit in Kenia ist hart. Freiheit und Unabhängigkeit bleiben für viele Kinder leider nur Träume. Mein Vater ist früh gestorben und meine Mutter hat uns Kinder - drei Mädchen und einen Jungen - allein aufgezogen. Eine allein erziehende Frau hat es in Afrika nicht leicht. Meine Mutter war daher wahrscheinlich noch strenger mit uns. Wir mussten zum Beispiel abends mit Sonnenuntergang im Haus sein, da gab es keine Ausnahme.

Unser Haus hatte wie viele andere auch keinen Zugang zu frischem Wasser. Mein Bruder war noch zu klein, also schickte unsere Mutter uns Mädchen los, mit Wasserkanistern zum nächsten Dorf, wo es einen Brunnen gab. Es war für uns zum Glück nicht so weit, aber vor dem Brunnen bildeten sich lange Schlangen von Menschen und wir mussten lange anstehen. Die vollen Kanister waren so schwer, dass wir sie auf dem Rückweg vor uns her geschoben haben.

Zu Hause sammelte meine Mutter das Wasser in einer großen Tonne. Es war unser Trinkwasser und wir nutzen es zum Kochen, zur Körperpflege, zum Putzen und Wäschewaschen. Manchmal mussten meine Schwestern und ich drei- bis vier mal pro Woche losgehen und Wasser holen. Und es gab auch Trockenzeiten, in denen es gar kein Wasser gab. Dann war der Weg hin und zurück umsonst. Wie gesagt, unsere Wegstrecke war nicht so weit, aber es gab andere, die stundenlang laufen und dann anstehen mussten. Wenn dann das Wasser aus war, war es für sie besonders bitter.

Meine Kinder sollten niemals so eine Kindheit haben wie ich.
Ich bin froh, dass sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.

Jetzt sind sie erwachsen und führen ihr eigenes Leben. Ich bleibe zurück, frei und unabhängig, so wie ich es immer wollte.

Ich habe mein Geld als Krankentransport-Fahrerin verdient und zusätzlich in einem Restaurant gejobbt. Beides fand ein überraschendes Ende, aber ich habe zum Glück eine neue Stelle im Fahrerteam einer Kölner Einrichtung gefunden.

Nach ein paar Wochen in der neuen Firma kam meine Kollegin auf mich zu und fragte mich, ob ich schon mal was von den Wasserprojekten in Kenia gehört hätte. Klar hatte ich das. Die Countys in Ostafrika, um die es hier geht, leiden seit Jahren unter Wassermangel. Viele Menschen werden krank, weil sie das schmutzige Wasser aus den Wasserstellen trinken müssen.

Wir Kenianer sind ein offenes Volk, wir lieben Gemeinschaft und helfen einander gern. Natürlich unterstütze ich meine eigene Familie in Kenia finanziell. Aber für die Menschen in den Countys hatte ich keine Idee. Die Dörfer mit Brunnen sind dort seltener als bei uns, aber es werden mehr und mehr Brunnen gebaut. Ich wollte schon immer wissen, was man tun kann, um sich in solchen Projekten engagieren zu können, konnte aber nicht herausbekommen, an wen ich mich hätte wenden müssen. In Kenia gibt es viel Korruption.

Und da taucht diese Kollegin auf und erzählt mir von ihrem geplanten Brunnenbau-Projekt in Kenia.

Ich glaube, es war kein Zufall, dass ich in diese Einrichtung kam und wir uns getroffen haben.

Was mich inspiriert:

Den ganzen Film anzusehen lohnt - doch besonders ab Minute 54.29

Danke, dass Du den Menschen Wasser bringst!